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Von zartrosa Bücherträumen

Ich habe mir eine Ruhepause verordnet. Eine kreative Auszeit. Nein, eine Auszeit vom kreativ-sein. Einfach mal nichts tun. Achtsam sein. Der Stille Raum geben, usw. usf. Sehr wichtig, so höre ich. Nicht von Ärzten, Therapeuten, Beratern oder sonstigen schwer informierten Personen. Nein. Ich höre, oder vielmehr lese das beinahe täglich auf „Insta“ – dem sozialen Medium, auf dem man unterwegs sein muss, wenn man „sichtbar“ sein will. Angesagt. In. Und informiert.

Auf „Insta“ also, da erzählen junge Mädchen zwischen 16 und 22, wie wichtig es ist, achtsam mit sich umzugehen, sich auch mal Pausen zu gönnen und „bei sich“ zu sein.

Hallo? Ich staune. Über diese Mädchen, aber viel mehr noch über dieses Medium, in dem sie (ganz viele sind sie) ihre schöne, wunderbare Welt der Perfektion in einem perfekt gestylten Feed zur Schau stellen und zugleich von Natürlichkeit faseln, Stille, Ruhe, Für-sich-sein, Wahrhaftigkeit. Da darf kein Foto farblich oder thematisch aus der Reihe tanzen, bloß kein Grün, wenn der Feed doch in zartrosa gehalten ist. Das Ich zur Schau stellen, aber erst, wenn dieses Ich schön zartrosa gebügelt ist. Und all das bittschön mit höchstmöglicher Achtsamkeit.

Es ist nicht mehr meine Welt. Und doch bewege ich mich in ihr, stümperhaft, bunt und ganz und gar ungebügelt. Weil ich mich ja als Autorin mit meinen Büchern irgendwie zeigen muss da draußen, all diesen zartrosa Mädchen vor Bücherarrangements zeigen muss, dass auch ich ein Buch geschrieben habe, das hinein will in dieses Bücherarrangement.

Ich glaube immer mehr, dass ich irgendwann irgendwo falsch abgebogen bin. Jetzt irre ich durch dieses zartrosa Labyrinth aus Büchertürmen und frage mich, wie ich da bloß wieder rauskommen soll. Hat einer eine Idee? Dann zündet doch bitte eine Leuchtrakete, damit ich ihrem hellen Schein folgen kann und vielleicht irgendwann wieder auf den Weg zurückkomme, den ich ursprünglich gehen wollte. Denn eins ist sicher. Dieser hier war es nicht!

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